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Die Gründung

Die Gründungsversammlung der "Narrenzunft Dogern" fand laut Protokoll am 6. Januar 1952 statt. In dieser Versammlung erkannte man auch gleich zur Wahl unseres ersten Vorstandes der "Narrenzunft Dogern", der sich aus folgenden Mitgliedern zusammensetzte:

                                Vorsitzender: Josef Montag
  Narrenschreiber: Karl Werle
  Beisitzer: Adolf Bachmann
und Klemens Müller

In der folgenden Sitzung am 13. Januar 1952 standen die Wahl des Elferrates und die Namensgebung der Zunft auf der Tagesordnung.

Einen treffenden und zugleich humorvollen Namen zu finden war sicher nicht einfach.

m Prinzip war man sich wohl darüber einig, dass der Name ortskundlich fundiert sein müsse. Herr Oberlehrer Anton Englert, ein bekannter Heimatkundler, bekam nun den Auftrag in den schriftlichen und mündlichen Überlieferungen die Ihm zugänglich waren, nach einer Begebenheit zu forschen, die eventuell geeignet wäre, der "Narrenzunft Dogern" den Namen zu geben.

 

Es gelang Ihm dann auch, in alten handschriftlichen Chroniken, die im Gasthaus Hirschen archiviert waren, eine wahre und humorvolle Begebenheit zu erfahren, die nach Ansicht des gesamten Elferrates dazu geeignet war, der "Narrenzunft Dogern" für alle Zeit den Namen Dogener Wiischmöckcher zu geben.


Eine Fastnachtsgeschichte von anno dazumal

aufgeschrieben von Anton Englert

Der Name Dogern wird von dem lateinischen Wort doga abgeleitet. Es bedeutet Faßdaube. Dogern ist also ein Dorf der Faßbinder. Wo Fässer gemacht werden, gibt es für gewöhnlich auch Wein. Man darf annehmen, dass die Römer an unserem Bürgelrain und Rüttibuck die ersten Reben pflanzen. Die Faßbinder sorgten allzeit für die richtige Lagerung und Pflege des Weines. Dieses ehrsame Handwerk hat bis heute in Dogern immer tüchtige Vertreter hervorgebracht. Mögen sie alle ihr Geschäft noch so gut verstanden haben, der ehrsame Küfermeister Fridolin Bürgin hat sie alle überboten. Dieser hervorragende Vertreter seiner Zunft hat im 18. Jahrhundert gelebt. Ein Rundschreiben der Bürgerzunft Tiengen aus dem Jahre 1860 ist an ihn gerichtet. Sein Aussehen in Hotzentracht und die mündliche Überlieferung lassen uns seine Fasnachtsgeschichte glaubhaft erscheinen.

 

Fridolin Bürgin wurde von seinen Dorfgenossen immer nur Faßfridli genannt. Es war nicht allein sein Beruf als Faßbinder , der Ihm diesen Beinamen gab, sondern eher wohl das gewaltige Faß, das er in der Hose trug. Es mußte um so mehr auffallen, als Fridli klein von Wuchs und kurzbeinig war. Der runde Unterbau wiederholte sich in etwas verkleinerter Form in Fridlis Kopf, der ohne Übergang eines Halses breit und wuchtig auf den Schultern saß. Aus dem rosigen Gesicht blickten zwei kleine, wässrige Augen immer vergnügt in die Welt. Recht im Gegensatz zu Fridlis friedlichen Augen stand die gewaltige Nase, die stets gerötet aus dem Gesicht ragte. Ihr außerordentliches Riechvermögen war Fridlis stolz. Doch war sie begreiflicher Weise Anlaß zu mancher Hänselei und schließlich gar die Ursache seines größten Reinfalls.

Der Küfermeister Fridolin Bürgin hatte die Gewohnheit, bei jedem Faß, dass ihm vor die Augen kam, den Spund abzunehmen und hineinzuriechen. Der erfahrene Besitzer merkte sofort an dem zufriedenen oder entrüsteten Schnuppern der großen Nase, ob sein Faß in Ordnung war. Auf gleicher Weise prüfte Fridli auch den Wein. Er trank kein Glas, ja nicht einmal einen Schluck, ohne vorher den Duft durch die Nase gezogen zu haben. Wo auch immer er beim Glase saß, fragte man ihn nach seiner Meinung, über den Wein, mit dem Hintergedanken, die schnuppernde Nase über dem Glas zu sehen. Und der gutmütige Fridli tat zum Vergnügen der Frager jedesmal den Gefallen, und prüfte den Wein und gab die schon hundertmal gehörte Antwort. So saß er an einem Wintertag wieder einmal in der warmen Ofendecke des "Hirschen" zusammen mit dem immer zu einem Spaß aufgelegten Jakob Brutschi und dem Sigrist ( = Küster, Gehilfe ) Florian Knecht. Letzterer, ein kleines, hageres Männchen, war als Botengänger weit über das Dorf hinaus bekannt. 

 

Eben war er von einem Botengang nach Laufenburg zurückgekehrt, wo er auch einige Besorgungen für die Hirschenwirtin gemacht hatte. Nun stand ein Viertele und ein Vesper als Botenlohn auf dem Tisch. Der Sigrist, der nicht allzu viel konnte, des Sigrists Wein vor seiner Nase  zu halten, und zu prüfen, ob er nicht einen besseren Wein erhalten hatte als er selbst. Doch gab er sich zufrieden; der Sigrist hatte den gleichen Wein. 

Diese Tischmanier Fridlis reizte den Jakob Brutschi zu einer seiner Bosheiten. Er meinte, wenn der Sigrist seinen Wein so lobte, sei es doch bestimmt ein anderer als der des Fridlins. Sicher habe sich der Küfer bei seiner Probe geirrt. Fridli, schwer in seiner Berufsehre gekränkt, verlangte nach dem Wirt. Er kam und mußte Fridli rechtgeben; es war derselbe Wein. Selbstbewust schlug Fridli die breite Faust auf den Tisch und rief: "Des müeßt bigott en andre Wii sii wo i nit chönnt usefinde!" Der Wirt Konrad Ebner, der auch einen Schuß Schalkhaftigkeit besaß, meinte beruhigend, "nun auch der beste Wiischmöckcher könne sich einmal täuschen." "Bii mir chunnt da it vor," behauptet Bürgin mit Nachdruck. "Wie meinsch Konrad, wänn mer´s it emol uf e Prob acho loo?" stichelte Brutschi. "Guet iiverstande", lachte Ebner "gönn mer in Cheller abe! Von jedem Faß wo de Fridli de Wii useschmöckt, spendier i eRunde, schmöckt er dernebe, deno gibt´s nüt." Entschlossen erhob sich der Fridli, und die beiden anderen folgten ihm lachend hinaus auf den Hausflur, wo noch heute eine hohe, steile Treppe in den Keller hinunterführt. Der Wirt holte eine Laterne und gab seine Frau noch eine heimliche Anweisung. Dann stiegen die drei und Fridli in den Keller hinab.

 

In staatlicher Reihe lagen die Fässer nebeneinander; zu hoch für Fridli, weshalb man eine Leiter an das erste Faß stellte. Der Küfer entfernte nun den Spund und hielt die Nase über das Loch, schnupperte zufrieden und sagte: "Rüttibuck". "Stimmt", gab Ebner zu und füllte unter Beifall der anderen zwei die Gläser. Da bestieg Fridli wieder die Leiter, und die drei schauten gespannt nach den Bewegungen der Nase.

Etwas geringschätzig sagte Fridli: "Letten", "Stimmt au",lachte Ebner. Am dritten Faß verharrte Fridli länger. Sein Gesicht erglänzte und er verkündete:" Dä isch vum Bürgelrain". "Na, dass Du din Liib- und Magewii usekriegsch, des han i glii denkt; also no e Runde!" und Ebner füllte die Gläser.

Da rief die Wirtin Konrad hinauf. Der Wirt ging und ließ die drei allein. Hätten sie gewußt, daß er ein abgekartertes Spiel mit ihnen trieb, dann wäre das Folgende wohl nicht passiert. So machten sie sich in Abwesenheit Ebners über den Bürgelrain her und genehmigten sich selbst einige eilige Runden. Erst nach geraumer Zeit kam der Wirt wieder und tat so als merke er nichts von dem Glanz in den Gesichtern der drei. Auch daß Fridli beim nächsten Faß kaum die Leiter hinaufkam, übersah er listig. Nur kurz hielt Fridli die Nase über das Faß und sagte verächtlich:"Erzinger Roter". Wiewohl es war ein guter Wein, tat Fridli geringschätzig; denn er konnte in seinem Lokalpatriotismus die Erzinger nicht leiden. Neben der Treppe lag ein kleines Faß. Der Wirt deutete darauf hin:"Den do drin pflegt mi Frau höchstpersönlich, und sie allei benutzt en au". In dem Faß war nämlich der Essig, den die Wirtin alljährlich mit Essigmutter und mit allerlei Kräuter, die ihr Geheimnis waren, ansetzte. Sie ließ tatsächlich niemand an das Faß. So sagte der Wirt die volle Wahrheit. Der Wirt füllte die Gläser und Fridli, der diesmal nicht am Faß roch,nahm, ohne in das Glas zu schauen, einen gewaltigen Schluck.

Natürlich merkte Fridli sofort, dass er geprellt worden war, und obwohl sein dicker Kopf vor Zorn rot anlief, beherrschte er sich um seine Kumpanen auch hereinzulegen. „ Da isch bigott en andre Wii “, sagte er gewichtig, indes Ebner den beiden anderen die Gläser anbot. Brutschi trank tatsächlich, machte aber sogleich ein verdutztes Gesicht. Der Sigrist jedoch wies das Glas ab, mit der Bemerkung, so ein Wein sei er nicht gewöhnt. Und mit einem hämischen Blick auf Fridli fügte er hinzu, so ein Wein sei nur etwas für Kenner. Das war dem Fridli denn doch zuviel. Er warf sein Glas an ein Faß und wollte dem Sigrist an den Kragen. Doch Ebner Wehrte ab und stiftete Frieden zwischen den beiden, indem er noch einen Umtrunk Marktgräfler versprach, der damals hierzulande selten war.

Bevor er jedoch einschenken konnte, wurde er wieder hinaufgerufen, diesmal zu einem Gast, der ihn länger in Anspruch nahm. Brutschi war dafür, auf den Wirt zu warten. Fridli hatte aber keine Stimmung mehr, zumal der Essig anfing in seinem Magen zu rumoren. Er schickte sich an, die Treppe hinaufzusteigen. Doch gelang ihm das nicht einmal mehr auf allen vieren. Brutschi, der ein Einsehen hatte, kam ihm zu Hilfe. Doch war auch er nicht mehr standhaft genug, den schweren Fridli die steile Treppe hinaufzubefördern. So folgte er dem Beispiel des Vordermannes, hielt sich mit den Händen rechts und links an den Treppenstufen und schob mit dem Kopf an Fridlis breitem Hinterteil. Sie waren beinahe oben, da pasierte dem Fridli durch die Anstrengung etwas Menschliches. Erschrocken zog Brutschi den Kopf zurück, dabei geriet das „Faß“ vor ihm ins Gleiten, und beide polterten die Treppe hinunter.

Fridli, mit seinen globigen Schuhen und dem ganzen Gewicht seiner Persönlichkeit, fiel dem Sigrist auf den Fuß, dass dieser die Laterne nter einem Schrei fallen ließ, mit der er hilfreich hatte leuchten wollen. So fand der Wirt, der den Lärm gehört hatte, die drei in bemitleidenswerten Zustand fluchend und schimpfend am Boden. Mit seiner Hilfe gelang Fridli ans Tageslicht. Fridli war durch nichts mehr zu bewegen, die Weinprobe in der Wirtsstube friedlich ausklingen zu lassen und machte sich ohne Gruß auf den Heimweg. Seinem Freund Ebner hatte er zwar am nächsten Morgen verziehen, dem Sigrist aber trug er die Schadenfreude noch lange nach, zumal er erneut von ihm gereizt wurde.

 

Als Fridli ihn nämlich andern Tags hinkend auf der Straße daherkommen sah, fragte er ihn stichelnd:“ Bisch villicht gar scho wieder z´Todtmes gsi, und häsch e Bloodere am Fueß; weilso hinkscht?“ Doch der Sigrist parierte mit dem frömmsten Gesicht:“ Nei, aber e Faß isch mer uegrugelet.“ – Da ging Fridli seiner Wege.

 

Durch den Sigrist aber kam die ganze Geschichte an die Öffentlichkeit, und es muß uns nicht wundern, daß die Weinprobe bei der kurz darauffolgenden Fasnacht sehr zum Verdruß des „Faßfridlis“, aber zur allgemeinen Erheiterung nachexerziert wurde